01 - Sinn und Zweck von Sinnbildern

Legenden, Mythen und Sinnbilder erzählen uns immer eine Geschichte mit tieferer Bedeutung. Sie vermitteln nicht nur was man sah oder erlebte, sondern auch was man damals wusste. Und wir finden darin auch die Sinnfragen des Menschen.


Shownotes

über die Moderatorin Michaela Mielke

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Die Sendung "Von Sinnbildern & Sinngeschichten"

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Transkript zur Sendung

Hallo und Willkommen zu der ersten Folge "Von Sinnbildern und Sinngeschichten". Ich bin Michaela Mielke und bevor wir in den kommenden Episoden in verschiedene Themen eintauchen, gibt es heute eine kleine Einführung:

Was ist eigentlich der Sinn und Zweck von Sinnbildern?

Ich fing an mich mit Sinnbildern zu beschäftigen, als ich auch mit der Tafelmalerei anfing. Die hat eigentlich ihren Ursprung im alten Griechenland, so im 8./7. Jahrhundert v. Chr., aber bekannter ist uns die mittelalterliche Tafelmalerei.

 

Damals war natürlich die Kirche hauptsächlich der Auftraggeber und die Bilder erzählten von Gleichnissen. Und weil damals viele Menschen nicht lesen konnten, diente sie vor allem der Wissensvermittlung. Allein die Aussage der Motive zählte. Und über die Symbolik erschloss man sich diese Bilder und das, was sie zu sagen hatten.

 

Aber auch aus der Mythologie kennen wir Sinnbilder, Sagen, Legenden – und nicht zu vergessen: Märchen. Bildhafte Erzählungen, die nicht nur vermitteln sollten, was man sah oder erlebte, sondern eben auch was man wusste.

Wir finden darin auch die Sinnfragen des Menschen.

Diese Bildgeschichten liefern nicht immer die Antworten, aber sie geben ein Beispiel, eine gleichnishafte Erzählung, und regen dazu an, auch eigene Schlüsse zu ziehen.

 

Es gibt nämlich keine allgemeingültigen Bedeutungen von Symbolen. Sie können in verschiedenen Kulturen auch durchaus unterschiedliche Bedeutungen haben. Doch betrachtet man sie in ihrem geistes- und kulturgeschichtlichen Kontext, gibt es immer … ja, eine gemeinsame Schnittmenge, die in eine ähnliche Richtung weist, auf etwas Übergeordnetes.

Ein ganz gutes Beispiel hierfür liefert das Symbol des Drachen.

In den Mythen da gibt es immer einen Helden, der loszieht, um den Drachen zu bezwingen. Und natürlich muss er noch eine holde Maid befreien und den Schatz erringen. Was wir aber auch aus diesen Geschichten kennen, ist, dass der Drache durchaus listig sein kann. Da wird der Protagonist durch hintertückische Worte eingelullt, dass ihm Zweifel an seiner Mission kommen.

 

Auch in der Symbolik ist der Drache durchaus widersprüchlich: in der christlichen Ikonografie verkörpert er das Teuflische, dagegen sieht Ostasien ihn als absoluten Glücksbringer. Im Orient ist er eine gütige, himmlische Macht, im Abendland wiederum verkörpert er das Destruktive und Undifferenzierte. Er kann also Unheil abwenden oder unheilbringend sein. Im Drachen wirkt Chaos.

 

Symbolisch gesehen, ist der Drache auch in allen Elementen zu Hause. Es gibt so alte Heiltheorien, die diese Elemente als Grundprinzipien verstehen, die unsere Welt strukturieren. Um also Chaos entgegenzuwirken, galt es diese unterschiedlichen Qualitäten zu harmonisieren, also für eine Ausgewogenheit zu sorgen. 

 

Es gibt übrigens sogar einen Kampfstil des Drachen aus dem alten China, der die Kontrolle des Chi, der Lebensenergie, lehrt. Dabei geht es weniger um den Kampf, sondern mehr um die spirituelle Wandlung des Übenden … ja, um mit einem ausgeglichenem Geist zu agieren. Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass

in Sinnbildern und Sinngeschichten auch Kulturgut lebt.

Also, zurück zu unser Frage: was ist der Sinn und Zweck von Sinnbildern? Auf den ersten Blick sind es simple bildhafte Darstellungen, reduziert auf eine einfache Form. Eine plakative Bildgeschichte, die sofort einen Weg über unser Auge, unser Ohr, findet. In der Auseinandersetzung mit dem Dargestellten aber, sind es Motive mit einem wahrhaftigen Gehalt.

 

Sie beschäftigen sich mit den grundlegenden Sinnfragen des Menschen. Sie erlauben uns eine Adaption zu finden, z.B. für unsere Lebensthemen. Sie gewähren uns einen Blick in das Wissen verschiedener Kulturen. Und mehr noch:

Sie weisen auf etwas Übergeordnetes, etwas, das über uns hinausgeht.

Dass heißt, vieles mag zwar hinter dem Schleier von Legenden, Mythen und Sinnbildern verborgen sein, doch auf der Ebene dahinter erzählen sie uns auch immer eine Geschichte mit tieferer Bedeutung.

 

Das spannende dabei ist: dieses "scheinbar Verborgene" erschließt sich dennoch unmittelbar. Deswegen fühlen wir uns auch von Symbolen inspiriert oder angezogen. Das kennt vielleicht jeder: man sieht etwas, das einen irgendwie berührt. Man kann noch nicht benennen, warum oder was genau es ist. Aber es macht was mit einem. Nur was wir da erkennen, ist noch nicht in unser Bewusstsein gesickert.

 

Warum ist das so?

Sinnbilder spiegeln nicht die Wirklichkeit wider, sondern: deren geistige Substanz.

Sie verkünden uns etwas, das wir in unsere Zeit und unser Verständnis von heute bringen können. Und erst auch einmal müssen. Etwas, das wir sehen, hören, verstehen und für uns übersetzen. Das Dargestellte dient quasi als Transportmittel für geistige Inhalte. Nur der Transfer dauert eben etwas :) Aber es ist das Symbol, welches uns den Zugang dafür eröffnet. Es ist ein Mittler. Es macht diese geistigen Inhalte greifbar und ... erfahrbar.

 

Was meine ich mit "erfahrbar"? Worte und Erklärungen sind immer nur eine Beschreibung. Es hat einfach nicht den gleichen Wert, als wenn wir die Dinge selber erfahren. Dies geschieht aber in der Betrachtung.

Da sind wir bei dem Stichwort Kontemplation.

Kontemplation ist die Betrachtung eines Sinnbildes, eines Themas, in seiner Gesamtheit, um seine tatsächliche Natur zu erfassen. Und dieses Erfahrbare darin … ja, ich kann es nur so beschreiben: Es rührt an deinem inneren Verständnis. Wie ein Zwiegespräch mit einer andersweltlichen Sprache. Als wenn eine uralte Erinnerung wach wird.

 

Und das ist, was besonders nachhaltig ist. Da kommen wir mit etwas in Berührung, das für uns bedeutsam ist. Und das ist nicht zu beschreiben, oder zu benennen, weder sprachlich noch intellektuell noch emotional. Das ist das Mysterium in der Betrachtung. Es erschließt sich einem etwas, und macht sich erfahrbar. Wir betrachten uns sozusagen in das Geheimnis hinein.

 

Und das ist es auch, wenn ich davon spreche, Kontemplative Kunst entsteht um ihrer selbst Willen. Sie erklärt sich aus sich selbst heraus und macht das Dargestellte erfahrbar.

 

Und was du darin für dich entdeckst, ist ganz das deine - und geht zugleich in etwas Größerem auf.

 

. . .

 

Wie unsere Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Lebenszyklus der Natur und dem steten Wandel verwoben sind, darüber geht es in der nächsten Sendung. Da schauen wir uns nämlich einmal den Lebensbaum genauer an, und den Kreislauf von Werden, Sein, Vergehen.

 

Bis dahin, bleibt inspiriert.

Eure Michaela Mielke

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