04 - Simon Daum und seine Musik

Zu Gast in meiner Sendung: Simon Daum, Musiker und Komponist. Aus seiner Feder stammt auch die Musik zum Lebensbaum-Trailer. Wir sprechen über freudige Momente im Leben, aber auch über schwierige Phasen, seinen musikalischen Weg und über das Leben mit MCS.


Shownotes

Simon Daum, Piano- und Soundtrackmusik

www.simondaum.com

 

Musik & aktuelles Album

YouTube

iTunes

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cdbaby

 

Video: Simon Daum mit Jon Schmidt (Piano Guys)

https://youtu.be/UU90dqv8XGI

 

Video: Der Lebensbaum und seine Themenwelt

https://youtu.be/CSuvoPtJWsc

 

Video: Multiple Chemische Sensibilität

https://youtu.be/X1wz8tsyLNM

 

Ein persönlicher Blog zu MCS

https://astridur.wordpress.com/

 

Das Musical "Morgenröte"

http://morgenroete.org/

 

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Playlist:

 

Of One Heart

Set Free

Solitude

Whole Again

Another Dimension

 

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Hinweis:

 

Bild- und Videomaterial © Simon Daum

Lebensbaum Bild- und Videomaterial © Michaela Mielke

 

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Die Sendung "Von Sinnbildern & Sinngeschichten"

- alle Episoden auf einen Blick -

 

als Podcast: www.michaela-mielke.de/podcast

bei iTunes: www.itunes.apple.com/de/podcast

im Radio: www.trauer-radio.de

auf YouTube: www.youtube.com

 

* Jeden Monat gibt es eine neue Folge *

Transkript zur Sendung

Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Sinnbildern und Sinngeschichten. Ich bin Michaela Mielke und heute freue ich mich ganz besonders, denn ich habe heute einen Gast in meiner Sendung, und zwar Simon Daum. 

 

Er ist Musiker und Komponist, und aus seiner Feder stammt auch die Musik zum Lebensbaum-Trailer. Darüber werden wir später auch noch sprechen, aber jetzt erst einmal willkommen in meiner Sendung, lieber Simon - schön, dass du dabei bist!

 

Ja, vielen Dank, Michaela! Ich freue mich auch sehr, dass ich dabei sein darf und ja … bin sehr gespannt.

 

Du komponierst Piano- und Soundtrackmusik, und du hast auch ein bisschen Musik mitgebracht und wir wollen natürlich auch über dich sprechen, deinen musikalischen Weg und über freudige Momente im Leben, aber auch über schwierige Phasen sprechen.

 

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Als ich deine Musik kennenlernte, hatte ich damals schon im Ohr, dass deine Melodien und Werke eine Geschichte erzählen. Und zwar auf eine betrachtende Weise.

 

Geht der musikalischen Geschichte eine persönlich erlebte Geschichte voraus? Was inspiriert dich?

 

Also in den meisten Fällen ist es tatsächlich so, dass es eigentlich nicht unbedingt eine Geschichte gibt und ich dann daraufhin etwas komponiere, sondern ich setze mich einfach gerne ans Klavier und spiele drauf los. Und lass mich da einfach von den Gefühlen und von den Erlebnissen, die ich habe, inspirieren. Und oft ist es eher so, dass ein Lied zustande kommt, das so gar nicht geplant war. Und ich habe dann das Gefühl, dass ist wie ein Geschenk an mich selbst, oder als würde die Musik mir eine Geschichte erzählen. Das ist auch oft so, dass die Namen für die Lieder z.B., die kommen meist erst viel später, weil ich immer noch im komponieren drin bin und dann irgendwas kommt und erst am Ende erkenne ich, ja ok, darum ging es dann irgendwie.

 

Aber ich glaube so eine Grundsache, die es fast in allen Liedern bei mir gibt, ist das Thema der Hoffnung. Also ich habe sehr viel Musik komponiert, wo Leute sagen, das schenkt ihnen Hoffnung. Und vor vielen Jahren, gab es mal wirklich einen, der mir vorgeworfen hat, meine Musik klingt immer viel zu hoffnungsvoll. Und ich kann es natürlich verstehen, als Komponist muss man natürlich auch verschiedene Genres bedienen können, aber wenn es um meine Kompositionen geht, und Menschen, sage ich mal, Hoffnung und Trost finden, ist es für mich eigentlich das größte Kompliment.

"Und so allgemein Inspiration, denke ich, kommt einfach vom Leben."

Also einerseits natürlich auch von anderer Musik, von Vorbildern, aber ich gehe auch wahnsinnig gerne in die Natur. Also die Momente, die man da erlebt, das ist glaube ich auch die schönste Inspiration für die Musik dann auch.

 

Ja, und ich empfinde auch so, dass gerade wenn man sich so in der Natur so auf sich selbst reduziert, dass in dieser Reduziertheit, quasi aus dieser inneren Stille auch ganz wunderbare Dinge aus einem selber hervorgehen, ja quasi empor kommen können. 

 

Total. Meine Musik ist ja generell, sage ich mal, eher nachdenklicher und ruhiger, und das passt für mich zur Natur. Ich liebe das einfach so in die Stille zu kommen oder zu gehen.

 

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Erzähl mal, wie bist du zur Musik gekommen. Ich habe gelesen, dass du in einer Künstlerfamilie aufgewachsen bist … wurde dir dein Musiker-Gen quasi schon in die Wiege gelegt?

 

Kann man fast so sagen. Also ich bin in einer Familie aufgewachsen mit acht Kindern, ziemlich große Familie, und ich bin natürlich der jüngste von allen. Und von allen meinen Geschwistern hat eigentlich jeder Musik gemacht. Mein Vater ist ein sehr guter Klavierspieler und meine Mutter hat später auch Querflöte gespielt, und so hat jeder von klein auf irgendetwas gelernt.

 

Von demher bin ich so aufgewachsen und habe da viel mitbekommen. Allerdings glaube ich, dass ich auch schon - also ich bin schon als kleines Kind zum Klavier immer gekrabbelt - und ich glaube, ich hätte wahrscheinlich auch schon ohne dieses Umfeld trotzdem die Liebe zur Musik entdeckt. Ich glaube, das war irgendwie schon immer ein Teil von mir.

 

Und ich glaube, dir war ja auch es zu langweilig, einfach "nur" Stücke anderer zu spielen, und hast relativ früh angefangen, selber zu komponieren. Wann fing das an, wie alt warst du? 

 

Das ist so rückblickend ganz schwer zu sagen, wann genau das war. Weil wie gesagt, als kleines Kind bin ich schon zum Klavier gekrabbelt und habe schon irgendetwas geklimpert, was man als Komposition vielleicht deuten könnte. Ich glaube, das erste Lied, das ich komponiert habe – bewusst - das war so mit sieben oder acht Jahren. Und das war natürlich ein Liebeslied für ein Mädchen aus meiner Klasse in der Schule.

 

Und das war auch ungefähr so das Alter, wo meine Eltern mich dann damals in den Klavierunterricht geschickt haben. Und da war es dann tatsächlich so, wie du gesagt hast, ich habe trotzdem immer viel lieber die Sachen gespielt, die ich selbst komponiert habe, so dass ich beim Lehrer auch damals die Lieder vorgespielt habe von mir, statt die Sachen zu üben, die ich hätte üben sollen. Weil ich fand das einfach langweilig.

"Ich wollte einfach immer irgendetwas Kreatives erschaffen."

Und ja, manchmal bereue ich es natürlich ein bisschen, weil ich denke, eine klassische Schulung ist immer ein großer Vorteil später im Leben, wenn man auch komponiert, aber es hat ja auch irgendwie so geklappt.

 

Hast du musikalische Vorbilder?

 

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, es gibt immer viele Komponisten, die man bewundert natürlich, aber ich würde sagen, es gibt vier Komponisten, die mich am meisten geprägt haben. Der wichtigste ist wahrscheinlich Jon Schmidt. Mittlerweile kennen den wahrscheinlich schon mehr, also früher war er nicht so bekannt, als ich ihn kennen gelernt habe mit elf Jahren, mittlerweile ist er bekannt mit den Piano Guys. Und als ich ihn damals gehört habe, da habe ich zwar schon Musik gemacht, aber da habe ich zum ersten Mal gedacht, das möchte ich auch machen eines Tages, also beruflich Musik machen.

 

Und ich hatte auch eine besondere Erfahrung mit dem Jon Schmidt. Vor ein paar Jahren, da war ich so vierzehn, als ich so krank war, hat einer von meinen Fans Jon Schmidt geschrieben, dass ich eben so krank war, und daraufhin hat er sich gemeldet und hat mich damals eingeladen zum Konzert. Und ich habe dann mit ihm auch ein bisschen gejammt, gibt es auch ein Video auf YouTube, wo wir gespielt haben miteinander und das war eine sehr schöne Erfahrung für mich.

 

Andere Komponisten gab es da noch: Kurt Bestor, den kennt wahrscheinlich keiner, ist nicht so bekannt, und dann auch Thomas Newman und Ludovico Einaudi, kennen wahrscheinlich sehr viele. Und die haben mich sehr geprägt, weil die machen auch beide Musik, die eben sehr still ist, sehr minimalistisch, die viel Raum lässt zum Nachdenken. Und das hat mich dann auch sehr begeistert und so ist meine Musik auch sehr in diese Richtung gegangen, so dass es halt dieses Ruhige sehr, sehr stark fördert. Oder ich sage mal: die Mut zur Lücke, ja auch in der Musik schöne Pausen einzubauen.

 

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Lass uns mal über deine Musik und den Lebensbaum sprechen. Du hast für den Lebensbaum-Trailer den Titel "Of One Heart" beigesteuert, und dafür bin ich dir sehr dankbar, denn ich finde, der ist zu dem Film ... ja, wie "draufkomponiert" und vermittelt das Gesagte und Gezeigte noch einmal auf einem ganz anderen Weg.

 

Als du das Stück geschrieben hast, was war deine Intention bzw. deine Gedanken dazu? 

 

Also ich bin generell ein Mensch, der sich immer wieder gerne Zeit nimmt, eben in die Stille zu gehen und auch über die Dinge im Leben nachzudenken, die mir wirklich wichtig sind. Und wenn ich ein Lied komponiere, dann ist das für mich eigentlich so ein Moment. Also ich nehme mir die Zeit, eine Auszeit, eine Art Urlaub kann man auch sagen - vom Leben - und komponiere dann einfach das Lied. Und "Of One Heart" ist für mich ein wichtiges Lied, es heißt ja im Grunde "eines Herzens sein".

"Und ich denke, in der heutigen Welt ist es immer wichtiger, dass die Menschen lernen, eines Herzens zu sein."

Also nicht in dem Sinne, dass sie alle gleich sind oder gleich aussehen, das gleiche glauben oder auf die gleiche Weise leben, sondern dass man eben gerade diese Unterschiede zulässt. Dass sich alle praktisch einig sind, dass es gut ist, Unterschiede zu haben. Und das Lied drückt das einfach so ein bisschen aus, wie schön es doch ist, wenn wir alle so empfinden würden.

 

Ich würde sagen, diesen wunderbaren Titel mit diesem wunderbaren Sinngehalt hören wir uns jetzt einmal an. Hier kommt Simon Daum mit "Of One Heart"...

 

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[Musik "Of One Heart"]

 

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Für alle, die jetzt genauso verzaubert sind wie ich, gibt es eine wunderbare Nachricht: Der Titel ist auch auf deinem neuen Album, das Album heißt auch "Of One Heart".

 

Wo überall kann man dein Album kaufen?

 

Momentan bin ich überall vertreten in Onlineshops, also iTunes, Amazon oder all die anderen, die man eigentlich so kennt. Insgesamt, wenn man meine ersten beiden Alben dazu zählt, dann ist "Of One Heart" eigentlich mein neuntes Album. Bei den ersten beiden habe ich noch CD's hergestellt, aber da ich jetzt lange live nicht aufgetreten bin, hat es sich einfach nicht rentiert. Aber wenn jetzt in Zukunft wieder mehr Konzerte kommen, dann wird es auch wieder richtige CD's geben, aber bis dahin halt online - auch auf meiner Website direkt könnte man es runterladen.

 

Also, hier jetzt nochmal ein Hinweis: alle Shownotes zu dieser Sendung mit weiterführenden Links findet ihr im Podcast auf meiner Website und in der Infobox bei YouTube.

 

Simon, was erwartet uns denn noch auf deinem neuen Album? Wie lange hast du daran gearbeitet?

 

Für die meisten meiner CD's brauche ich ungefähr ein Jahr, wobei das sehr unterschiedlich sein kann, je nachdem wie viele andere Arbeiten ich noch zu erledigen habe. Aber es ist so, dass es meisten kein bestimmtes Thema gibt. Ich komponiere einfach drauf los oder habe auch musikalische Aufträge, die ich abarbeite und benutze dann viele der Lieder für das Album. Meistens habe ich auf einem Album so drei bis vier verschiedene Musikrichtungen vertreten, also Klaviersolo, emotionale Filmmusik, epische Musik oder manchmal auch Balladen ... aber keine Angst, ich singe nie selber, würde ich keinem antun :)

 

"Of One Heart" unterscheidet sich diesmal dahingehend, dass ich einmal ein Album machen wollte, wo eigentlich nur ruhige Musik ist. Also Klaviersolos und ruhige Musik, weil es für mich einfach zum Thema passt. Ist eher so im nachdenklichen Stil gehalten.

 

Ein Stück, welches für mich auch noch eine andere Seite zeigt, ist "Set Free". Da spielst du mit verschiedenen musikalischen Stilen und Elementen, und machst da eine ganz interessante Mischung.

 

Für mich ist das irgendwie Irish Folk, aber dann singt da auch ein gregorianischer Chor … erzähl mal was dazu!

 

Ja, das Lied kam eigentlich auf lustige Weise zustande. Und zwar gibt es eine Musiklibrary "Ethno World 6", und ich wurde gefragt, ob ich dafür ein Demolied schreiben möchte, und dafür durfte ich aber nur Instrumente von dieser Library benutzen. Und das war eine schöne Herausforderung und eigentlich hat es das Komponieren auch leicht gemacht für mich. Weil meistens sitze ich ewig daran, einfach nur die Sounds zu finden, mit denen ich dann am Ende zufrieden bin. Und jetzt habe ich dieses eine Programm gehabt und wusste, ich muss nur die Sounds aus der Library nehmen. 

 

Die Idee bei "Set Free" war tatsächlich Elemente aus der ganzen Welt zu vereinen, eben verschiedenen Kulturen, die Musik von verschiedenen Kulturen, zusammen zu bringen und in ein Lied zu bringen. Also wir haben die Gregorianik, wie du sagst, wir haben Duduk drin aus dem Orient oder auch indianische Flöten, und am Ende war ich dann selbst überrascht, wie das alles zusammen passt, aber irgendwie hat es funktioniert.

 

Und mit dem Namen "Set Free", also "Freisetzen", wollte ich zum Ausdruck bringen, wie wichtig und schön es auch ist, wenn wir uns nicht von unseren kulturellen Traditionen eingrenzen lassen, oder ich sag mal so, nicht andere ausgrenzen aufgrund von unseren Traditionen. Sondern dass man einfach die Vielfalt der Kultur, die wir in der Welt haben, genießen kann. Deswegen ist es auch ein fröhliches Lied, ja das so ein bisschen beschwingt ist, und eben viele Elemente drin hat. 

 

Und damit hast du schon ganz wunderbar das nächste Lied, was wir von dir hören, eingeleitet. Hier kommt "Set Free" ...

 

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[Musik "Set Free"]

 

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Sag mal Simon, kennengelernt habe ich dich und deine Musik über das Stück "Solitude". Davon mal abgesehen, dass es ein musikalisch wunderbar aufgebautes Piano-Solo ist, habe ich es auch so verstanden, dass es für dich auch ein sehr bedeutsames deiner Werke ist.

 

In welcher Phase deines Lebens ist dieses Stück entstanden? 

 

Genau, also "Solitude" heißt ja "Einsamkeit" und es ist in der Tat zu einer Zeit entstanden, die sehr schwer für mich war, zum Teil auch heute noch ist. Und zwar ist das so, dass ich damals über mehrere Monate hinweg ziemlich krank geworden bin, am Ende sogar dahingehend, dass ich eigentlich nur noch mit Krücken laufen konnte, also ich konnte eigentlich nur liegen oder mit Krücken laufen. Und irgendwie wusste keiner, was da los war.

"So krank zu sein, war natürlich die eine Geschichte, aber eben nicht zu wissen, was es war, war die andere."

Und dann das Gefühl zu haben, von ärztlicher Seite, da wurde halt relativ schnell psychologisiert, da wurde gesagt, das sind psychosomatische Probleme und so, hat uns den Weg sehr schwer gemacht damals. Und das hat dann wirklich 1 ½ Jahre gebraucht, auf eigene Faust, bis wir herausgefunden haben, dass die Ursache dafür eigentlich eine Umweltvergiftung war. Dann hat es weitere zwei Jahre gebraucht, bis wir das irgendwie ausgeleitet hatten usw. Und heute bin ich weites gehend frei davon, aber aufgrund dessen hat sich ein anderes Krankheitsbild entwickelt, das ist die MCS, also praktisch eine Überempfindlichkeit gegenüber Chemikalien.

 

Noch mal kurz: MCS heißt Multiple Chemische Sensibilität, also für die, die das nicht kennen. Und diese MCS ist auch nicht so bekannt, obwohl es relativ viele Betroffene gibt.

 

Erkläre doch mal, was MCS genau ist und wie sich das auswirkt. 

 

Also wie du sagst, es gibt relativ viele Betroffene, manche haben es in einer schwächeren Form und andere wie ich haben es in einer sehr starken Form. Und es ist prinzipiell sehr schwer das zu erklären, weil es von außen auch nicht so sichtbar ist. Aber ich glaube, es lässt sich sehr gut vergleichen mit 40 C° Fieber. Jeder Mensch hatte irgendwann schon mal in seinem Leben starkes Fieber und weiß, wie sich das im ganzen Körper anfühlt: man hat Nervenschmerzen, man hat Muskelschwäche, man hat alle möglichen seltsamen Zustände und fühlt sich einfach nur schlecht.

"Und bei Menschen mit einer MCS ist es so, dass sie sich ziemlich genauso fühlen, und zwar jedes Mal, wenn sie mit nur kleinsten Mengen an Chemie in Berührung kommen."

Es kann schon reichen, wenn man ein frisch gedrucktes Papier oder eine Zeitung hat, oder ein Laptop oder ein Bildschirm oder eine Wandfarbe. Oder einfach wirklich Kleinigkeiten im Alltag können schon ausreichen, dass man diese Symptome bekommt. Und je mehr man sich dem aussetzt, desto länger hält es auch an. Also manchmal können ein paar Minuten schon ausreichen, das man praktisch wochenlang zu kämpfen hat mit der Situation. Und mir ist erst bewusst geworden durch die Krankheit, wie viel Chemikalien wir eigentlich im Alltag haben. Wir haben es ja überall im Essen, im Auto, in den Wohnungen, in den Häusern. Also, wenn man so betroffen ist, macht es den Alltag sage ich mal ziemlich schwer.

 

Interessant ist eigentlich zu wissen, dass MCS in vielen Ländern, also USA und Spanien zum Beispiel, wirklich als organische Erkrankung anerkannt ist. Und eigentlich sogar in Deutschland auch, im ICD 10 ist es als organische Erkrankung definiert, aber es ist halt im Gesundheitssystem noch gar nicht angekommen. Und alle Leute, die ich kenne, die MCS haben, kämpfen mit den selben Problemen: dass es auf die Psyche geschoben wird, und dass man einfach keine Unterstützung bekommt durch Krankenkassen oder so, weil es halt unbekannt ist oder nicht anerkannt werden soll aus irgendwelchen Gründen.

 

Ich muss noch kurz dazu sagen, die meisten, die MCS in einer starken Form haben, denen geht es wie mir, dass sie auch ihre Arbeit verlieren und kein Zuhause mehr bewohnen können, weil die meisten Wohnungen eben so belastet sind, dass man da einfach nicht wohnen kann. 

 

Hast du Tipps für andere Betroffene? Und auch für Nicht-Betroffene, wie sie am besten damit umgehen und um MCS auch besser zu verstehen?

 

Ja, ich denke das Wichtigste ist, dass man immer über die Krankheit spricht, aber auf einer sachlichen Ebene. Den Menschen versucht, es zu erklären auf eine Art und Weise, wie sie es verstehen können. MCS, genauso wie eine toxische Belastung des Körpers, führt oft zu sehr extremen körperlichen und geistigen Zuständen, und man versucht dann meist mit allen Mitteln Hilfe zu finden, und wenn es dann irgendwo jemanden gibt, der einem helfen möchte, dann ist man immer versucht, dem alles zu erzählen.

 

Und das habe ich früher auch so gemacht, weil man ist verzweifelt und möchte unbedingt Hilfe haben, aber je mehr man erzählt, desto weniger wird einem geglaubt, weil es einfach zu verrückt klingt, zu übertrieben. Es ist also immer wichtig, dabei sachlich zu bleiben, aber trotzdem auch immer den Menschen aufzuklären, weil viele ändern dann auch ihre Gewohnheiten. Also z.B. wenn man in der Familie Leute hat, die Parfum benutzen, dann achten sie vielleicht ein bisschen mehr darauf und nehmen Rücksicht darauf, wenn sie es verstanden haben.

 

Und für Nicht-Betroffene ist es wichtig, dass sie lernen, das Krankheitsbild zu verstehen. Dass sie sich die Zeit nehmen, aber auch dem Menschen einfach glauben, dass tatsächlich nicht übertrieben wird, sondern dass ihnen diese Überempfindlichkeit praktisch auferlegt ist. Also man kann mit der Einstellung daran eigentlich nichts ändern. Und das ist einfach sehr wichtig.

 

Die meisten MCSler leben auch sehr isoliert, verlieren oft Freundschaften und Freundschaften sind enorm wichtig. Und es ist enorm wichtig - also für Betroffene nochmal - in der Gegenwart trotzdem Freude zu haben. Also meine Frau und ich, wir hatten durchaus sehr schwere Zeiten, mehrere Jahre, wo ich arbeitslos war und wir keine Wohnung gefunden habe, bis heute nicht gefunden haben.

"Und trotzdem haben wir jeden Tag Momente, wo wir lachen können."

Und auch trotz körperlicher Schmerzen, wenn man nicht weiß, was los ist, trotzdem Freude zu haben, ist einfach wichtig.

 

Gibt es irgendwie einen Verein, eine Initiative die man unterstützen kann? Wo gibt es Hilfe? 

 

Also es gibt natürlich viele Selbsthilfegruppen und auch diverse Vereine, allerdings habe ich mich, muss ich zugeben, damit nicht so viel befasst, weil meine Erfahrung war, dass doch viele Menschen mit MCS verständlicherweise Schwierigkeiten damit haben, positiv zu sein. Und mir war es wichtig, dass ich mich doch mit positiven Dingen umgebe. So ist es heute so, dass ich in einer Facebookgruppe bin, die mit MCS zu tun hat, und da habe ich auch wirklich viele Sachen mitgenommen oder auch lernen können für den Alltag. Ich glaube, es ist immer wichtig, dass man irgendwo hingeht, dass man wirklich Hilfe bekommt.

 

Vor diesem Hintergrund wirkt dein Stück "Solitude" ja auch ein bisschen wie ein Hoffnungsträger. Und diese Hoffnung teilen wir jetzt mit euch ...

 

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[Musik "Solitude"]

 

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Sag mal, seit kurzem machst du ja Liveperformance, die du auf YouTube hochlädst und bei Facebook teilst. Livekonzerte zu geben ist ja mit MCS auch noch mal eine ganz andere Herausforderung, aufgrund der Beschaffenheit des Gebäudes, die Materialien, usw.

 

Was wäre da eine Möglichkeit dennoch Livekonzerte zu geben?

 

Die zwei besten Möglichkeiten sind natürlich einerseits Freiluftkonzerte zu geben, also wirklich draußen zu spielen, oder eben so gesund zu sein, dass mir das alles gar nichts mehr ausmacht, wäre natürlich am optimalsten. Offiziell ist MCS nicht heilbar, allerdings muss man dazu sagen, die Ursachen sind einfach sehr vielschichtig. Es geht von Giften, zu Borreliose, zu Zahnherden und solchen Geschichten. Wenn man das alles entdeckt und gelöst hat, dann ist da durchaus auch eine Heilung möglich, daran glaub ich schon fest.

 

Bis der Tag kommt, dass es soweit ist, ist es sehr schwer zu sagen, weil es natürlich in jedem Gebäude anders sein kann. Generell sind natürlich alte Gebäude, Kirchen z.B. die aus Stein bestehen, die länger nicht renoviert wurden, können funktionieren. Aber am Ende muss ich immer vorher rein und es probieren. Also wenn da eine Kirche ist und du hast einen Ikeaschrank drin z.B., dann würde das vielleicht schon reichen, wenn der direkt nebenan steht.

 

Wir können das ja hier mal in die Runde werfen, wer dazu Ideen hat oder z.B. selber Veranstalter ist, gerne einmal mit Simon Daum in Kontakt treten über seine Website www.simondaum.com.

 

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Du bist ja kürzlich Vater geworden - an dieser Stelle: herzlichen Glückwunsch noch einmal! - da stelle ich mir das ja auch als eine riesen Herausforderung vor, mit dem ganzen Babypuder, Windeln, ...

 

Wie machst du das im Alltag?

 

Ja, erst einmal vielen Dank für die Glückwünsche! War wirklich eine schöne Erfahrung! In der Tat, ich glaube, das viele Menschen, die uns damals gesehen hätten - ich war damals noch arbeitslos aufgrund der MCS und wir hatten eben auch keine Wohnung - hätten uns für verrückt erklärt, wenn sie gewusst hätten, das wir trotzdem Nachwuchs bekommen wollen.

"Aber uns war wichtig, einerseits positiv zu sein, in die Zukunft zu schauen, aber auch sich von der Krankheit nicht alles vorschreiben zu lassen."

Und es war für uns immer ein Lebenstraum, eine Familie zu haben, das wollten wir uns auch nicht nehmen lassen. Und in der Tat ist es so, dass 95 % der Babyprodukte, die man angeblich braucht, braucht man eigentlich gar nicht. Und wenn man es doch braucht, kann man es oft durch einfache Hausmittel ersetzen. Und somit kommen wir ganz gut zurecht. Natürlich ist es trotzdem eine Herausforderung, weil es gibt einfach andere Situationen, aber die sind es einfach auch wert und wir lernen uns zu arrangieren gegenseitig. Meine Frau macht natürlich sehr viel, da bin ich unglaublich dankbar, ohne sie würde ich das auch so auch nicht schaffen natürlich.

 

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Sag mal Simon, was ist dir in deiner Musik und deinen Kompositionen besonders wichtig?

 

Das Wichtigste für mich ist, glaub ich, authentisch zu sein. Also mich selbst widerzuspiegeln, aber gleichzeitig andere Menschen zu berühren, wirklich einen Unterschied zu machen. Ich habe Menschen gehabt, die wirklich gesagt haben, die Musik hat ihnen durch ihre Depression geholfen oder ähnliche Geschichten, und ich finde, das ist einfach das Größte, was man mit der Musik bewirken kann. Und das ist auch mit das Wichtigste für mich. Einfach für mich selbst und für andere Menschen, Freude zu haben an der Musik. 

 

Du hast passend dazu noch ein Stück mitgebracht, das heißt "Whole Again"... 

 

Genau das Lied habe ich geschrieben über den Moment, wenn ich wieder vollkommen gesund bin.

 

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[Musik "Wohle Again"]

 

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Stimmt das, das du keine Noten lesen kannst und nach Gehör spielst?

 

Also Ja und Nein. Es ist natürlich so, nachdem ich damals im Klavierunterricht nicht so viel gemacht habe, haben es meine Eltern mit Trompetenunterricht probiert, und ich habe dann da schon Noten lesen gelernt, allerdings habe ich beim Klavierspielen nie vom Blatt gelesen. Also ich könnte heute nicht vom Blatt spielen, ich müsste mit dem Finger hingehen und die einzelnen Noten raus suchen und teilweise müsste ich auch irgendwo nachschlagen. In dem Sinne spiele ich mit dem Klavier keine Noten. Ich habe schon immer eher nach dem Gehör gespielt, wenn ich jetzt Musik von anderen nachgespielt habe oder so, das ist mir schon immer leichter gefallen.

 

Ja, ich habe schon öfter gehört, dass Musiker keine Noten lesen können und nach Gehör spielen oder singen, aber du orchestrierst ja auch. Und wenn man sich mal die Notation von einem Orchester anschaut, da sind ja auf einer DIN A4 Seite vielleicht 3-4 Takte, aber eben für alle Instrumente, die Streicher, die Bläser, der Chor usw. Das ist ja schon sehr komplex, du arrangierst ja quasi ein ganzes Orchester!

 

Wie gehst du da an das komponieren ran? Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?

"Das Tolle ist ja, dass man eigentlich, wenn man Klavier spielt, immer ein ganzes Orchester in der Hand hat."

Und es ist meistens so, ich fange immer mit dem Klavier an in 90 % der Fälle, klimper da so ein bisschen herum, bis ich eine schöne Idee habe. Und wenn ich Orchester haben will, dann experimentiere ich mit Instrumenten und eventuell nehme ich das Klavier dann später raus oder lass es bestehen, je nachdem was besser klingt oder passt, und gehe dann meistens so vor. Es kommt manchmal vor, dass ich auch mit Trommeln anfange oder mit Geigen oder mit Bläsern, aber meistens ist es eben mit dem Klavier, das ich damit praktisch anfange und es darauf aufbaue.

 

Und dann muss ich dazu sagen, ich bin ein sehr praktisch veranlagter Musiker, also d.h. ich komponiere sehr viel durch experimentieren, was durchaus den Nachteil hat, dass man oft länger braucht. Manche Komponisten, die hören im Kopf die Melodie und können es dann relativ schnell in Noten fassen und haben es dann auch schnell umgesetzt vielleicht. Bei mir kann es sehr unterschiedlich sein, es kann manchmal innerhalb von wenigen Minuten ein Lied entstehen, wenn ich z.B. auf dem Klavier etwas improvisiere, oder es kann auch mal ein paar Wochen dauern. Oder ich habe auch einmal ein Lied komponiert, da saß ich ein halbes Jahr daran. Das ist eben sehr unterschiedlich.

 

Ja, manchmal brauchen die Dinge so lange wie sie brauchen, das ist einfach so. Und ich kenne das auch vom Malen zum Beispiel. Ich hab das ganz oft, dass ich das vor dem geistigen Auge komplett fertig sehe, jeden einzelnen Pinselstrich, und dann aber irgendwie immer einen Weg suchen muss, wie ich es dann auch tatsächlich praktisch umsetze. Und das ist dann irgendwie so im Kopf schon so fertig, aber der Weg dauert dann halt manchmal einfach auch dahin. Das ist dann irgendwie manchmal so.

 

Also, eine dieser orchestralen Kompositionen hören wir uns jetzt einmal an: "Another Dimension" ...

 

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[Musik "Another Dimension"]

 

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Lieber Simon, seitdem ich deine Musik verfolge, finde ich es unfassbar, wie viele Stücke du produzierst. Du bist so ein wahres Füllhorn an Musik, was da irgendwie aus dir herausfließen will.

 

Kennst du auch künstlerische Blockaden? Oder dass du keine Muße hast bzw. findest? Wie gehst du damit um?

 

Ja natürlich, das kenne ich sehr gut. Und oft fühlt es sich so an, als wäre der ganze Prozess des Komponierens bei mir eine Blockade. Wenn ich mir manchmal anschaue, wie schnell manche Komponisten in Hollywood Musik komponieren für einen ganzen Film, da fühle ich mich doch oft sehr langsam und blockiert, muss man schon dazusagen :)

 

Aber einen Trick, den ich für mich entdeckt habe: Erstens ist es immer gut, wenn man einfach Pausen macht oder sich ablenkt mit anderen Dingen. Aber oft mache ich es so, wenn ich z.B. an einem sehr ruhigen Lied arbeite und da nicht weiter komme, dass ich dann ein ganz anderes Lied anfange, also ein sehr gegensätzliches Lied. Und dann mich immer abwechsele mit den Liedern, weil man dann wieder Lust auf etwas anderes hat. Also wenn das eine langweilig wird und einem fällt nichts mehr ein, dann macht man mit dem anderen weiter. Habe ich jetzt nicht so oft, aber ab und zu mache ich es dann so, weil es dann einfach hilft, dass ich wieder später mehr Ideen habe für die andere Idee.

 

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Du bist Pianist, Komponist, schreibst orchestrale Kompositionen und erzählst uns als Zuhörer mit deiner Musik auch immer eine Geschichte, und es erscheint gerade dein neuntes Album.

 

Stehen weitere Projekte an, von denen du schon erzählen möchtest?

 

Es gibt in der Tat einige Projekte. Das wohl größte im Moment ist, dass ich die Musik zu einem Musical schreibe. Das ist ein Musical über Rudolf Steiner, und ich muss auch kurz dazu erzählen, wie es dazu kam, weil das eigentlich eine sehr spannende Geschichte ist: Ich war ja, wie gesagt, längere Zeit arbeitslos durch meine MCS und hatte alles versucht gehabt, und hätte auch viele Jobs haben können, aber es ging halt aufgrund der Gesundheit nicht. Und ich habe dann irgendwann gedacht, ich habe noch alte CD's im Keller liegen von meinen ersten beiden CD's.

"Und habe dann einfach meine Geschichte auf einen Zettel geschrieben, an die CD's geklebt und bei 400 Leuten in den Briefkasten geschmissen."

In der Hoffnung, dass irgendjemand eine Idee hat, für mich eine Arbeit zu finden. Und von 400 CD's gab es drei Rückmeldungen: Also einer wollte die CD zurück schicken, der wollte die nicht haben. Der andere war hochbegeistert und der dritte, der sich gemeldet hat, das war ein Unternehmer oder ein Chef von einem Unternehmen, das eben waldorforientiert ist und die auch dieses Musical produzieren. Das kam erst nach einer Zeit praktisch zustande, wir hatten erst andere Sachen probiert im normalen Arbeiten und so, und meine Hauptarbeit ist auch im Onlinemarketing, aber das Musical ist das Projekt, was daraus entstanden ist. Und das ist eine ganz schöne Sache.

 

Ansonsten gibt es noch viele andere Projekte, an denen ich dran bin, aber die sind alle noch im Entstehen, deswegen kann ich dazu noch nicht so viel sagen. Aber bei einem geht es um eine Dokumentation, also einen Film. Und es wird auch im März ein Benefizkonzert geben. Das wird in einer Kirche sein, in Ludwigsburg, und da habe ich mich überwunden zu sagen, das probiere ich einfach, auch wenn es mich vielleicht umhauen sollte. Aber ich möchte diese Erfahrung einfach mal machen und freue mich darauf.

 

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Gibt es etwas, was du dir für die Zukunft wünschst?

 

Ja, mein größter Wunsch ist natürlich, dass ich die Menschen mit der Musik erreiche, die ich gerne schreibe, aber die auch den Menschen genau das bringt, was sie suchen. Und dass ich eben all die Mittel habe, auch die Gesundheit, um die Musik zu produzieren, die mir am Herzen liegt.

 

Vielen Dank, Simon, dass du Gast in meiner Sendung warst, und wenn ich mir auch etwas wünschen darf: Tue weiterhin das, was du da tust und bereichere die Welt mit deiner Musik!

 

Ja, vielen Dank. Das mache ich auf jeden Fall sehr gerne :)

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