Mal hinter den Pinselstrich geschaut

Tafelbild Oculus, die drei Nornen aus der Edda, inspiriert von der nordischen Mythologie

Ein Kurzfilm über Entstehung und Aufbau, welcher Gedanke sich hinter jedem Pinselstrich verbirgt und wie sich daraus eine Geschichte webt.

 

Das Tafelbild "Oculus" erzählt von der Unbeständigkeit in der Beständigkeit, vom media vita in morte sumus (Mitten im Leben sind wir des Todes), aber auch dass dort Leben ist, wo wir vielleicht keines zu erhoffen wagen. Es erzählt davon, dass Vergehen auch immer mit Werden zusammenhängt, dass alles, was zu seinem natürlichen Ende gekommen ist, den Weg zur Geburt von etwas Neuem bereitet. Im Kreis der Stunde trägt alles Leben den Keim des Todes in sich - und alles Sterben den Samen des Lebens.


Und es erzählt von der nordischen Mythologie, in der die Nornen den Lebensfaden schnüren. In der Edda heißt es,

 

sie bargen die Enden westlich und östlich, und spannen goldene Fäden rund um das in der Mitte liegende Königreich.

 

Oculus (lat. Auge) steht für mich gleichermaßen für Innenschau wie Ausblick. In der Mitte zeigt sich eine Sternenformation: es ist der tatsächliche Blick durch ein Teleskop auf Sagittarius, dem Sternbild Schütze. Es liegt in Richtung Zentrum unserer Galaxis, der Milchstrasse, und viele alte Kulturen sahen in ihr den Weg, den die Seelen nach dem Tod entlanggehen. Sagittarius galt hier als Sinnbild für den Torwächter des Todes. Doch zugleich befindet sich in ihm auch ein Geburtsort neuer Sterne: der Lagunennebel M8 und in seiner hellsten Region der wunderbare Stundenglasnebel ...

Im Dreigestirn fügen sie die Fäden
und halten Bande, die sich weben
Im Kreis zu jeder Stunde waren sie
schon einander beigegeben

Am Mondesaal fallen Sterne in die Nacht
fallen ein, in den Choral der Zeit
Und sind gleich einer Ode
an das Licht der Ewigkeit

Inmitten liegt das weite Land
nah und in der Ferne
Ewig gehalten wird dieses Band
davon singt das Lied der Sterne

 

(Lyrik zum Tafelbild Oculus)


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